1983: Die Tagesschau berichtet über die Althofdrachen

1983 fand der 1. Bärenpokal-Wettbewerb statt, den Thomas Nagel (Stutensee) gewann und der schon mehr als 1000 Zuschauer anlockte. In der Tagesschau der ARD konnte dann im Dezember ein Millionenpublikum dem seither traditionellen Nikolaus zusehen, wie er auf der Landewiese einschwebte, um mit dem Christkind die erwartungsfrohen Kinder zu beschenken. Im selben Jahr hatte Uli Blumenthal aus Bad Wildbad mit über sechseinhalb Stunden eine erste Bestmarke im Zeitflug aufgestellt.

Rückblick 1980 – Drachenflieger nutzen zum 1. Mal die Aufwinde Tannschachberg

Im April 1973 hatte Pionier Mike Harker mit seinem spektakulären Flug von der Zugspitze für eine kleine TV-Sensation gesorgt und manchen Zeitgenossen zur Erfüllung von bisher für unmöglich gehaltenen Träumen animiert. Ein wahres Flugfieber brach aus, und manch ein Bruchpilot avancierte über Nacht zum Fluglehrer – mit zweifelhaften Schulungsergebnissen. Die “1. deutsche Drachenflugschule Kiedaisch” in Stuttgart versuchte es mit mehr Professionalität und schulte nach Richtlinien des US-Halbbluts Mike Harker. Allerdings gab es noch keine allgemein anerkannte Standards, und auch die Sicherheit der flattersturzgefährdeten bunten Dacronflügel ließ stark zu wünschen übrig. Als der legendäre Sportreporter Heinz Mägerlein im Fernsehen Flüge im “Rogallo” (der NASA-Ingenieur Francis Rogallo plante die Rückführung von Raumkapseln mit Deltaflügeln und gab so unserem Sportgerät seinen Namen) präsentierte, schwappte die Flugbegeisterung auch in den Schwarzwald über: Auf dem Skihang am Hotel Stockinger bei Freudenstadt gab es Drachenflug-Schnupperkurse von Reinhold Speidel und am Stöckerkopf in Baiersbronn wurden die neu erworbenen Künste eifrig erprobt. Bessere Geräte mit unprofilierten Segellatten und etwas geringerer Flächentiefe ermöglichten bald schon mehrminütige Flüge, was die Begeisterung weiter schürte und 1975 zur Gründung des Baiersbronner Drachenfliegervereins führte.

Im blutjungen Sport gab es tatsächlich schon eine “Oldtimerklasse” – die neuen Drachen wie Ludwig Thalhofers Flamingo waren allerdings die wahren Publikumsattraktion, denn bei ihnen war im Gegensatz zu den Drachen der ersten Generation der Name Hänge-“Gleiter” schon eher angebracht.
Auch von der Teufelsmühle bei Loffenau wurde geflogen – 550 Höhenmeter und nach Westen hin freie Anströmung ließen nach der Eröffnung Pfingsten 1977 bald schon Stundenflüge im schmalen Aufwindband der Teufelsmühle zu.

Einer der ersten Piloten in Loffenau war der Karlsbader Manfred Vogel, der uns bald begeistert von einem neuen Gelände bei Bernbach vorschwärmte: Dort seien schon die berühmten “Schädelspalter”-Schulungsgleiter im Dritten Reich gestartet – warum sollten wir Drachenflieger denn nicht die Aufwinde am zum Murgtal hin freien Westhang des Tannschachberges nutzen können?
Wir ließen uns dies zweimal sagen und gründeten 1980 den Verein der Althofdrachen – der Name sollte an das ehemalige Segelfluggelände beim Alten Hof erinnern. Mit dabei waren Willy Schrafft, Peter Seip, Dieter Kaiser, Uli Blumenthal, Manfred Vogel als erster Vorsitzender und als passiver Förderer Fritz Frey. Zunächst wurde von einer kleinen Rampe nur etwa 150 Höhenmeter über der großen Landewiese in Althof gestartet und “um die Ecke” in den Aufwind des nach Michelbach 400 Meter abfallenden Berghanges geflogen. So einfach war dies nicht immer, denn eine hohe Kiefer versperrte zum Beispiel Peter Seip den Weg ins Flugglück (was dieser souverän durch seine Klammer- und Kletterkünste meisterte).

Unser damaliger Senior, der unvergessene Schorsch Ritter, unterschätzte die Stärke der Südwestwinde und pflügte mit seinem zu langsamen Atlas eine Furche von über 10 Meter in den Acker neben der Landewiese – glücklicherweise nur mit Blessuren für die Steuerbügel. Soviel zu den wilden Anfangsjahren, in denen Bobby Szenzer auch das alte Vereinsemblem entwarf.
Die Bäume am unteren Startplatz wurden höher und trotz notorischen Personal- und Geldmangels trauten wir uns, mit viel Eigenleistung sowie großer Spendenbereitschaft oben am Tannschach eine neue, imposante Rampe zu bauen, welche von Richard Morlock geplant und 1983 von Bürgermeister Robert Traub eingeweiht wurde.

Text: Uli Blumenthal

1980: “Die Althofdrachen” erblicken das Licht der Welt

Mike Harker fliegt 1973 als erster Drachenflieger von der Zugspitze

Nachdem Mike Harker am 10.04.1973 als erster Drachenflieger von der Zugspitze geflogen war und damit zum Missionar für die Drachenfliegerei in Europa wurde, breitete sich dieser Sport als „letzte Grenze der Freiheit“ unaufhaltbar aus. Auch im nördlichen Schwarzwald suchte man nach passenden Geländen – und fand sie.

 Sportgemeinschaft “Die Althofdrachen” erblickt 1980 das Licht der Welt

1977 wurde der DCL Loffenau gegründet und 1980 kam Althof dazu. Manfred Vogel entdeckte ein Segelfluggelände, das vor dem II. Weltkrieg in Betrieb war, am „Alten Hof“ bei Bernbach neu; mit ein paar Gleichgesinnten (Dieter Kaiser, Willy Schrafft, Herwart Bingemer, Karl Wiildemann, Peter Seip, Walter Frank, Fritz Frey, Paul Kröning) wurden „Die Althofdrachen“ als Sportgemeinschaft gegründet. In Eigenarbeit und mit Spenden lokaler Gönner wurde die „alte“ Rampe am Tannschach 160 m über der Landewiese errichtet.

„apres – Fly“ bei den Althofdrachen

Bald gesellten sich zu den Clubmitgliedern auch Gäste aus nah und fern – sie kamen zum Fliegen und zum „apres – Fly“, denn Kameradschaft und Geselligkeit wurden in Althof schon immer groß geschrieben; lange Jahre gab es dann auch einen Drachenflieger-Stammtisch.

Neuer Anfang im Herbst 1981

Doch bald stellten sich vereinsintere Schwierigkeiten ein, nicht zuletzt wegen der Rampe, die an die Piloten hohe Ansprüche beim Starten stellte. Die Probleme eskalierten derart, daß der Verein kurz vor der Auflösung stand. Einigen wenigen Getreuen ist es zu verdanken, daß im Herbst 1981 ein neuer Anfang gewagt wurde: die Fliegergemeinschaft „Althof-Drachen“ wurde beim Amtsgericht Calw als „Die Althofdrachen e.V.“ eingetragen und eine neue höhere Rampe wurde geplant. Dies bei einem Startkapital von 45,50 DM.

Der 1. Vereinsvorstand „Der Althofdrachen“ war Manfred Vogel

Rampen-Neubauprojekt 1982

Das Rampen-Neubauprojekt wurde systematisch weiter verfolgt: mit der staatlichen Forstverwaltung, mit Ortschaftsrat, der Gemeinde und dem Regierungspräsidium Karlsruhe führten zu der ersehnten Gelände- und Baugenehmigung für die „neue Rampe“, 210 m über der Landewiese. Spendenaufrufe an die Mitglieder folgten – bei nur 30 Mitgliedern war es nicht leicht, die erforderlichen Mitteln zu beschaffen.

Durch großzügige Sach- und Geldspenden machten den Bau der neuen Rampe möglich.

Der Architekt Richard Morlock, den Althofdrachen von Anfang an freundschaftlich verbunden, erledigte Planung und Statik. Mitgliedsbeiträge und Spenden finanzierten Material- und Baukosten; das Vereinskonto wurde weder überzogen noch wurde ein Kredit aufgenommen.

In diese Epoche fällt auch der Entwurf unseres bis heute verwendeten Vereinseinsemblems von Klaus (Bobby) Szencer das das Drachenfliegen am Tannschach symbolisiert.

1983 Übergabe der „neuen“ Althof-Startrampe

Im Mai war es dann endlich so weit: Bürgermeister Robert Traub, Bad Herrenalb, übergab die „neue“ Althof-Startrampe feierlich ihrer Bestimmung: der erste Flug fand statt und es wurde gefeiert – das sogenannte „Seefest“ auf der durch die anhaltende Regenfälle der Vortage völlig überflutete Landewiese.

1. Bärenpokal-Wettbewerb 1983

Ende August 1983 fand auch der 1. Bärenpokal-Wettbewerb in Althof statt: Thomas Nagel aus Stutensee wurde 1. Bärenpokal-Sieger und Clubmeister 1983. Zu diesem „jungen“ Wettbewerb strömten bereits 1000 Zuschauer nach Althof!

Der befreundete Drachenfliegerverein d’Ikarus Schwoba aus Wildberg veranstaltete seine Clubmeisterschaft im November ebenfalls in Althof.

Sommer 1983 – Uli Blumenthal fliegt 6½ Stunden am Stück

Uli Blumenthal stellt einen Rekord über 6 ½ Stunden Flugzeit auf – Start und Landung in Althof.

Dezember 1983 – Nikolausfliegen der Althofdrachen in der Tagesschau

Erstmals gibt es in Althof ein Nikolausfliegen, von dem die Tagesschau der ARD berichtet, dass der Nikolaus „den Vogel abgeschossen hatte“, denn er kommt mit einem „Flugdrachen“ herabgeschwebt, um anschließend die Kinder des lokalen Kindergartens und der Gäste zu beschenken.

 

Text: Werner Fleck